Die Sache mit den Kita-Plätzen

Steffen

Eine Stadt hat viele Aufgaben. Eine dieser Aufgaben ist zum Beispiel, dafür zu sorgen, dass alle, die einen Platz in einer Kindertagesstätte haben wollen, auch einen bekommen. Die Schwierigkeit besteht nun darin immer ausreichend vorher zu wissen, wie viele Kinder in den Kitas der Stadt sein werden. Diese Frage kann man auch nicht einfach nur für die nächsten drei oder vier Jahre beantworten. Schließlich reden wir über Gebäude und dann immer über einige Jahrzehnte.

In den vergangenen Jahren haben wir in Rostock viele neue Kitaplätze geschaffen. Wir gehören zu den Städten, in denen schon seit einiger Zeit der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, aber auch der Anspruch auf einen Kindergartenplatz ohne Probleme erfüllt werden kann. Zunehmend sind wir auch in der Situation, dass diese Plätze wohnortnah angeboten werden können und Eltern nicht den ersten freien Platz nehmen müssen, sondern sich einen Träger oder eine Kita aussuchen können, die genau dem entspricht, was sie sich wünschen.

Soweit so klar. Nun müssen wir leider feststellen, dass in den letzten drei Jahren die Zahl der Geburten in der Region Rostock (aber nicht nur hier) deutlich zurückgegangen ist. Wurden in den Jahren zuvor deutlich über 3000 Kinder im Klinikum Südstadt zur Welt gebracht, sind es inzwischen nur noch etwas mehr als 2000. Natürlich merkt man das sehr schnell, dann auch in den Kitas der Stadt.

Stand Januar 2024 waren etwa 1500 Plätze in Krippe Kindergarten und Hort in Rostock nicht belegt. Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass die nicht belegten Plätze die Kosten in die Höhe treiben. Für die Träger der Einrichtungen wird es immer schwerer, sich gut zu finanzieren, weil die Einrichtungen eben nicht voll ausgelastet sind und (so will es das Gesetz) die Stadt nur die Plätze bezahlt, die auch tatsächlich belegt sind.

Im Ergebnis führt das natürlich dazu, dass die Träger versuchen, die Preise pro Platz zu erhöhen. Das ist auch nachvollziehbar, weil die fixen Kosten eines Gebäudes und des Betriebes einer Kindertagesstätte auf weniger Kinder umgelegt werden müssen. Das ist einfache Betriebswirtschaft.

Genau deswegen erscheint es keine gute Idee zu sein, die Zahl der Plätze in den Rostocker Kindertagesstätten noch einmal zu erhöhen. Im Gegenteil sind wir seit geraumer Zeit dabei, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir die Zahl der Kitaplätze angemessen zurückfahren können. Dabei wollen wir den Trägern der Einrichtungen Vorschläge unterbreiten und Angebote machen, damit wir keine Kindertagesstätte Standorte schließen müssen. Dazu, kann zum Beispiel darüber nachgedacht werden Beratungsangebote in Kindertagesstätten anzusiedeln, die heute noch an anderem Ort beheimatet sind. Wo es Interessenten gibt, können auch Teile einer Kindertagesstätte umgewandelt werden zu einer Tagespflege für Senioren und Senioren. All diese Möglichkeiten prüfen wir, weil es angezeigt ist.

Dazu muss man wissen, dass Kindertagesstätten selbstverständlich sehr wichtig, aber eben auch ziemlich teuer sind. Für die knapp 16.000 Kinder, die in Rostock in Krippe, Kindergarten und Hort betreut werden werden pro Jahr weit mehr als 120 Millionen € ausgegeben. Wenngleich ein wesentlicher Teil davon, vom Land bezahlt wird arbeiten wir hier mit Steuergeld und sollten darauf achten, dass wir nicht unnötig Leerstand finanzieren. Besser ist es doch, die Qualität in den belegten Plätzen erhöhen zu können. Dafür braucht man allerdings den finanziellen Spielraum.

Warum die Reduzierung der Plätze zunächst gar nichts mit der Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher, die eine Gruppe betreuen zu tun hat erkläre ich in einem anderen Beitrag.