Das Cannabis und der Jugendschutz

Steffen

Seit dem 1. April 2024 ist in Deutschland Cannabis zu besitzen und zu konsumieren nicht mehr verboten. Das finde ich tatsächlich gut. Diese Änderung der gesetzlichen Regelungen ist ein Stück weit die Akzeptanz der gesellschaftlichen Realität. Das Recht soll sich in einem Rechtsstaat entwickeln und wenn man feststellen muss, dass es rechtliche Regelung gibt, die an der gelebten Wirklichkeit vorbeigehen, sollte man sie ändern. Das ist geschehen. Allerdings, und darauf komme ich noch zu sprechen, nicht besonders gut.

Fangen wir mal damit an, wer sich gerade und aus welchen Gründen über die Freigabe des Cannabis aufregt. Es erscheint mir fast lächerlich, wenn Menschen, die nie auf die Idee kommen würden, den Verkauf und Besitz und Verzehr von Rauchwaren oder Alkohol einzuschränken, sich nun darüber aufregen, dass Cannabis legalisiert wurde.

Tatsächlich ist es viel zu leicht, in Deutschland an Drogen zu kommen. Das betrifft Tabakwaren. Das betrifft vor allem Alkohol! Dafür gibt es legale Verkaufsstrukturen. Die Preise sind nach wie vor deutlich zu niedrig. Insbesondere aus Sicht des Jugendschutzes können die niedrigen Preise, vor allem für hochprozentigen Alkohol nicht gut geheißen werden. Eine Flasche Schnaps für vier Euro, das geht einfach nicht!

Wer aber die Augen nicht davor verschließt wird sehen, dass auch der Kauf von Cannabis alles andere als kompliziert ist. Das geht an allen möglichen Straßenecken in jeder mittelgroßen und erst recht großen Stadt. Das geht über Snapchat, Telegram oder andere soziale Netzwerke. Alter, das läuft aber komplett unkontrolliert und ohne jede Sicherung.

Tatsächlich gibt es nämlich zwischen den legal verkauften Drogen und den illegal verkauften Drogen einen ganz wesentlichen Unterschied: bei den legalen Drogen ist der Wirkstoffgehalt unmissverständlich angegeben. Ich weiß also zumindest, worauf ich mich einlasse, wieviel Alkohol oder Nikotin drin ist. Das ist bei schwarz gehandelten Drogen nicht der Fall.

Natürlich kann man argumentieren, dass es keiner weiteren legalen Drogen bedarf. Die Gegenfrage lautet aber selbstverständlich, warum, wenn man Drogen verbieten möchte einige dann eben doch erlaubt. An Informationen über die negativen Folgen des Konsums von Tabak und Alkohol mangelt es nun nicht.

Es ließe sich gut rechtfertigen, den Zugang zu Alkohol und Tabakerzeugnissen deutlich stärker zu beschränken. Insbesondere, um Jugendliche besser zu schützen. Gerade der frühzeitige Beginn des Konsums dieser Substanzen kann zu langwierigen Abhängigkeiten und schweren körperlichen Schädigungen führen. Gerade jene Politikerinnen und Politiker, die jetzt vor allem den Jugendschutz in den Mittelpunkt rücken, scheinen zu solchen Diskussionen aber nicht bereit zu sein. Das macht sie sie in meinen Augen unglaubwürdig.

Nein, das Gesetz zur Legalisierung von Cannabis ist nicht gut gemacht. Es ist hasenfußisch. Die Regelungen zum Schutz der Jugend sind nicht gut durchdacht und es wird unglaublich schwer sein, dieses Gesetz zu vollziehen. Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in Kommunen können sich über dieses Gesetz nur sehr begrenzt freuen.

Aber es ist ein Anfang. Ich habe die Hoffnung, dass das Gesetz bald und gut weiterentwickelt wird. Dass wir es in Deutschland schaffen, die Realität anzunehmen und uns vor allem Gedanken darüber zu machen, warum so viele Menschen Lust auf Rausch haben.

Ja, Cannabis ist eine Droge. Ja, Cannabis kann zu Abhängigkeit führen. Ja, Cannabis kann eine Einstiegsdroge sein. All das unterscheidet Cannabis in keiner Form von Alkohol. Man könnte auch sagen, dass Cannabis, bewusst konsumiert, kein Stück weniger negativ ist, als zum Beispiel Alkohol.

Wir brauchen gute Aufklärungsarbeit. Wir brauchen die Möglichkeit, zum bewussten Konsum. Wir brauchen sauberen Stoff. Damit diejenigen, die konsumieren wollen, keine unnötigen Risiken eingehen müssen. Diese Risiken würden am Ende nämlich nie nur denjenigen betreffen, die konsumieren.

Also: man kann für die Freigabe von Cannabis sein. Man kann dagegen sein. Man kann das Gesetz schlecht finden und trotzdem grundsätzlich für die Freigabe von Cannabis sein. Was wir derzeit aber gerade nicht brauchen, sind Stammtischdebatten. Wir brauchen kluge Diskussionen über einen klugen Umgang mit dieser Droge. Im übrigen wird sie ganz wesentlich von Menschen jenseits der 30 konsumiert.