Strahlender Wahlkampf
Im Februar 2025 wird wohl gewählt werden und ein neuer Bundestag soll dann über die Geschicke Deutschlands entscheiden. Traditionell werden dabei immer wieder auch eigenartige Forderungen laut. Eines der Themen aus dieser Kategorie ist die sogenannte Atomkraft. Hier möchte ich zunächst in ehrendem Gedenken an meine Physiklehrer:innen daran erinnern, dass es korrekterweise Kernenergie heißen müsste. Verschmolzen werden bekanntlich nicht die Atome, sondern vielmehr ihre Kerne. Aber Schluss mit den Fakten! Oder doch nicht. Wir schauen uns das mal an. Da wird von CDU und CSU heute laut gefordert, den Ausstieg aus der Atomenergie (wir bleiben der Einfachheit wegen bei der Begrifflichkeit) aufzuhalten oder wieder umzukehren. Das ganze wird mit einer ideologisch motivierten Entscheidung der Grünen begründet, die falsch gewesen sei und nun umgekehrt werden müsse.
Richtig ist, dass die Grünen schon immer gegen die Atomenergie waren. Das muss denen gar nicht vorgeworfen werden. Der Beschluss zum Ausstieg wurde aber gar nicht von denen sondern von der CDU/CSU geführten Regierung Merkel beschlossen, als Lehre aus Fukushima 2011. Die Älteren erinnern sich. Es war sogar Markus Söder selbst, der sehr laut den schnellen Ausstieg forderte. Als durch den russischen Überfall auf die Ukraine die Stromversorgung durch Gas problematisch erschien, wurde durch eine Regierung mit grüner Beteiligung der Atomausstieg nach hinten verschoben. Das lässt sich nachlesen, das habe gar nicht ich herausgefunden.
Aber was bedeutete es denn, diese Technik in Deutschland wieder nutzen zu wollen?
Zunächst müsste sehr viel investiert werden. Das Geld muss wieder rein kommen. Das passiert entweder über Subventionen, also Steuergeld oder eben über die Strompreise, die dadurch nicht sinken werden. Dabei sind schon heute erneuerbare Energien um ein Vielfaches günstiger als Atomstrom. Die im August 2024 vom Fraunhofer Institut veröffentlichte Studie zu den Gestehungskosten für die verschiedenen Stromarten zeigt das ganz deutlich. Günstiger wird Strom dadurch also nicht. Für die Grundlast wird Atomstrom auch nicht gebraucht. Gas, Kohle, Öl, Biomasse und würde man weiter daran forschen auch Wasserstoff können diese Aufgabe übernehmen.
Atomkraftwerke brauchen Uran, das angereichert werden muss und noch viele tausend Jahre nach der Verwendung todbringender Müll ist. Uran kommt gar nicht so oft auf der Welt vor, muss durch sehr schädliche Verfahren gefördert werden und liegt häufig in Staaten in der Erde, mit denen man als Freund von Demokratie nicht so gern Geschäfte macht. Beispiele wären Russland, Niger, Usbekistan oder Kasachstan. Das Thema Endlagerung ist lang besprochen und bleibt ein Thema.
Warum nun ausgerechnet Norddeutsche für Atomkraft eintreten, bleibt noch mehr ein Rätsel. In der Geschichte sind Industrien meist dahin gegangen, wo Energie günstig war. Das Ruhrgebiet, der Großraum London oder der Rustbelt in den USA sind Beispiele. Norddeutschland kann mit Wind, Sonne und Biomassen deutlich mehr Energie erzeugen, als es selbst verbraucht. Es gibt schlicht keinen Bedarf und noch deutlicher: der günstige Strom aus erneuerbaren Energien ist ein Standortvorteil. Damit wirbt man, das kritisiert man nicht.
Am Ende ist es erstmal nur Wahlkampf. Hoffentlich bleibt es dabei.

